Seit fast fünf Jahrzehnten sind Elisabeth und Werner Keller verheiratet. Heute wird ihr gemeinsamer Alltag stark von Werners Demenzerkrankung geprägt. Elisabeth begleitet ihren Mann liebevoll durch diese neue Lebensphase. Unterstützung findet sie beim Entlastungsdienst Schweiz, der ihr regelmässige Pausen ermöglicht.
Die Tage des Ehepaars Keller lassen sich nicht im Voraus planen. Immer wieder muss Elisabeth Termine kurzfristig absagen, weil sie Werner nicht zum Verlassen des Hauses bewegen kann. Stattdessen bleibt sie mit ihm zuhause und behält ihn ständig im Blick. Aufgrund der Demenz ist Werner oft rastlos. Er läuft unruhig durch die Wohnung, lässt den Wasserhahn laufen oder versteckt Gegenstände. Mehrere Hörgeräte sind so schon verloren gegangen. «Ich muss immer mit einem Ohr bei ihm sein», erzählt Elisabeth.
Umso mehr schätzt sie die ruhigeren Momente. Dann sitzt Werner am Tisch, blättert in Prospekten und liest laut vor. Auch wenn er dabei meist Wörter und Buchstaben aneinanderreiht, die im Text gar nicht stehen, gibt ihm diese Beschäftigung Struktur.

Elisabeth und Werner sind seit 48 Jahren verheiratet, haben zwei Töchter grossgezogen und die Welt bereist. An diese Erinnerungen denkt Elisabeth gerne zurück. Sie geben ihr Kraft für den anspruchsvollen Alltag, den sie als emotionale Berg- und Talfahrt beschreibt. Besonders fehlen ihr die Gespräche und gemeinsamen Unternehmungen. Gleichzeitig ist sie dankbar, ihren Mann weiterhin bei sich zu haben. «Den 50. Hochzeitstag möchte ich schon noch mit ihm feiern», sagt sie mit einem Augenzwinkern.
Unterstützung erhält Elisabeth von ihren Töchtern, von Freunden und seit etwa einem halben Jahr auch vom Entlastungsdienst Schweiz. Anfangs fiel es ihr schwer, Hilfe anzunehmen. «Ich dachte lange: Das schaffe ich schon.»
Heute weiss sie die Entlastung sehr zu schätzen. Während Werner die ungeteilte Aufmerksamkeit der Betreuungspersonen geniesst, kann Elisabeth für ein paar Stunden die Verantwortung abgeben. «Es tut gut zu wissen, dass er umsorgt ist und ich für einen Moment loslassen kann», sagt sie. Dann geht sie einkaufen oder widmet sich ihrer kreativen Arbeit mit Gipsfiguren.
Andere Angehörige ermutigt sie, frühzeitig Hilfe zu suchen: «Wenn man den ersten Schritt gemacht hat, fällt der nächste viel leichter.»

«Es tut gut zu wissen, dass er umsorgt ist und ich für einen Moment loslassen kann.» Elisabeth Keller